Steinbruch Mühlenbein plant Erweiterung

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Dritte Generation „am Drücker“. Letzter familiengeführter Betrieb der Region. Ziel für die Zukunft: Abbau um 20 Meter in die Tiefe.

Die Zuckerstein-Halde wächst langsam vor sich hin. Rund 50 000 Tonnen der bis zu einem Kilo schweren, grau marmorierten Kalkstein-Brocken werden wohl bis zum Spätsommer zusammenkommen. Wenn dann in der Soester und Warburger Börde die Zuckerrübenernte beginnt, wandert das Material aus Rösenbeck zu den dortigen Zuckerfabriken. Dort wird aus ihnen Kalk gebrannt. Die Wackermänner aus der Briloner Hochebene dienen, wie Jörg Mühlenbein (40) weiß, als „Katalysator zur Reinigung der gehackten Rüben“. Der Kalkstein hilft dabei, Nebenstoffe aus dem grauen Rohsaft zu lösen.

In dritter Generation Geschäftsführer

Der 40-jährige Wirtschafts-Ingenieur ist in dritter Generation Geschäftsführer des Familienunternehmens Steinbruch Mühlenbein. Und er stellt zurzeit die Weichen für die Zukunft. Seit vergangener Woche liegen die Pläne zur Erweiterung des Bruchs im Briloner Rathaus und bei der Kreisverwaltung, auch online, aus.

Es geht darum, den künftigen Abbaubereich parallel zur jetzigen Abbruchkante um rund 150 m in Richtung Westen, also Brilon, auszudehnen. Im Süden würde die Steinbruchgrenze dann etwa im Bereich des Windrades an die Steinbruch-Zufahrt stoßen.

„Für uns ist wichtig“, sagt Jörg Mühlenbein, „in dem bestehenden Teil des Bruches tiefer gehen zu können.“ Etwa 20 m möchte das Unternehmen auf der zentralen, rund 10 ha großen Sohle an Tiefe hinzugewinnen. Dazu ist die Vergrößerung des Durchmessers erforderlich. Rund 80 bis 90 m sind es derzeit von der Oberfläche bis hinunter auf die unterste Sohle.

Auch die Gesteins-Rippe, die zurzeit noch den Mühlenbein-Steinbruch von dem unmittelbar angrenzenden Rheinkalk-Bruch abgrenzt, soll mittelfristig entfernt werden. Die Abbautiefe ist derzeit auf 440 m NN begrenzt. In diesem Bereich möchte das Unternehmen gerne im Mittel etwas 20 m tiefer gehen. Um die Grundwasserführungen festzustellen, sind schon mehrere Mess-Bohrungen vorgenommen worden.

Material wird reiner

Die Vertiefung des Steinbruchs sei zum einen wegen des geringeren Flächenverbrauchs aus Umwelt- und Nachhaltigkeitsgründen sinnvoll, sagt Jörg Mühlenbein. Aber da gibt es auch einen weiteren Aspekt: „Die Qualität des Steins nimmt mit zunehmender Tiefe ja nicht unbedingt ab.“ Das Material wird reiner, es gibt weniger Einschlüsse. Rund eine halbe Million Tonnen Kalkstein baut das Unternehmen im Jahr ab. Bei einer Sprengung - es rummst ein- und manchmal auch zweimal im Monat - werden auf einer Länge von etwa 50 bis 80 und einer Höhe von 20 m rund 15 000 bis 20 000 cbm Gestein aus der Wand gelöst.

Das in die unterschiedlichsten Fraktionen gebrochene und gesiebte Material geht in den Straßenbau, in die Zementindustrie, wird als Splitt verwertet oder wandert als Dünger in die Landwirtschaft. Der große Nachbar nebenan, die Fa. Rheinkalk, veredelt den Kalkstein weiter, dazu dienen große Schlämmteiche auf dem ausgedehnten Gelände. Dabei heraus kommen Körnungen von 40tausendstel bis 4 Millimeter.

Der Großvater des heutigen Geschäftsführer, Firmengründer Bernhard Mühlenbein, hatte noch mit Hammer, Hacke und Schüppe und viel Schweiß in harter Handarbeit den Steinbruch erschlossen.

Im Aufbau-Boom der frühen Nachkriegsjahre bewies der Müllermeister ein gutes unternehmerisches Näschen, als er 1951 ins Kalksteingeschäft einstieg. Heute ist der Betrieb nach Angaben von Jörg Mühlenbein „der letzte kleine familiengeführte Mittelständler“ der steinbruchreichen Region. Das Unternehmen beschäftigt 20 Mitarbeiter, darin eingeschlossen das gute halbe Dutzend Fahrer aus dem eigenen Fuhrbetrieb, das die Just in Time-Belieferung der Kunden sicherstellt.

Etwa im Spätsommer, wenn der Kalkstein von der Briloner Hochfläche wieder zu den Zuckerfabriken der Soester und Warburger Börde gebracht wird.

Info:
•Kalkstein von der Briloner Hochfläche gilt als einer der hochwertigsten Deutschlands.
•Der „Briloner Massenkalk“ entstand durch Korallenablagerungen im Devon (vor etwa 360 bis 420 Mio Jahren); er hat eine Mächtigkeit von etwa 1200 m.
•Das Sauerland „befand“ sich damals auf dem Kontinent Laurussia in Äquatornähe.

Jürgen Hendrichs


Quelle: https://www.wp.de/staedte/altkreis-brilon/steinbruch-muehlenbein-plant-erweiterung-id210913677.html                                          

 
 
 
 

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