In Thülen gehen Profis bei Explosions-Tests an ihre Grenzen

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Um der steigenden Nachfrage nach Explosions-, Festigkeits-, Druck- und Funktionstests nachzukommen, hat die Fa. Rembe ein neues Werk errichtet.

Uuuuund Action! Rumms. Eine Stichflamme schießt aus dem Zylinder, der Feuerball schwillt an, füllt rasend schnell die enge Kaue, überstrahlt den Monitor. Von dem Mann daneben ist nichts mehr zu sehen. Bildschnitt. Ein Kopf kullert aus dem Verschlag heraus. Roland Bunse und Marcel Vogtland gucken sich die Szenen auf einem Bildschirm in ihrem Container an. Der befindet nur wenige Meter vom Ort der Explosion entfernt.

Der Kopf gehört zu einem Dummy aus dem ganz frischen Demo-Video aus dem neuen Rembe Research & Technology Center (RTC). Das ist die jüngste, Anfang des Jahres gegründete Tochter der Rembe Safety & Control GmbH. Firmenzweck: die Forschung und dauernde Technologieentwicklung insbesondere im Bereich flammenloser Druckentlastung und Explosionsschutzlösungen.

Bisher fanden diese Explosionsprüfungen im Stammwerk am Gallbergweg statt. Im Gewerbegebiet Zur Heide, am ehemaligen Bahnhaltepunkt Thülen am Nehdener Weg, hat die Rembe Safety & Control jetzt einen weiteren Standort. Rembe-Gründer Bernhard Penno hat das rund 3,5 ha große ehemalige Rekostein-Gelände erworben und darauf neben der RTC auch zwei weitere Rembe-Töchter, Fibre Force und Kersting, ausgelagert.

Ins Auge fällt der mit viel Glas und Stahl transparent gestaltete Neubau. Dort sind Werkstatt, Logistik, Forschung und Show-Room untergebracht, außerdem wird dort noch ein neues Schulungs-Center eingerichtet.

Tiefe Geländemulde als natürlicher Schutzwall

Zur Sache geht es am anderen Ende des Betriebsgeländes. Da hatte bereits Rekostein Betriebsflächen in das hängige Gelände getrieben – heute bietet der steinbruchartige Platz mit seiner gut 12 m hohen Wand einen idealen Schutzraum für die „Spezialprüfungen von Bauteilen, die auch durch aufwändige Berechnungen und Computersimulationen nicht exakt nachgestellt werden können“.

Im Klartext: Da rummst es richtig. Oder, wie Roland Bunse sagt: „Hier gehen wir an die Grenzen. Da ist mit Trümmerflug zu rechnen.“ Schließlich möchte der Kunde ja „wissen, was das Teil aushält.“ Meist handelt es sich um Neuentwicklungen, für die es noch keine Kennzahlen oder Regelwerke gibt. Zurzeit steht dort ein Staubfilter für die Entlüftung eines Unternehmens aus der Nahrungsmittelindustrie. Eine Testreihe, bei der Maismehl in das System gepumpt wird, soll zeigen, welche Größe die aus Sicherheitsgründen erforderliche Berstscheibe haben muss. Je kleiner, desto günstiger, denn: „Jeder Quadratzentimeter Material kostet Geld.“

Rund um die Uhr weltweit in Bereitschaft

Zeit auch. Deshalb ist der Notdienst rund um die Uhr weltweit in Bereitschaft. Als auf einer Bohrinsel vor Norwegen eine Berstscheibe das tat, für das sie entwickelt wurde – sich im Dienst der Sicherheit zu opfern und die Förderung zu unterbrechen -- wurde per Hubschrauber in Brilon eine neue geholt. Rund 1500 Euro kostete das Element, der Produktionsausfall auf der Bohrinsel lag derweil bei etwa einer Million – pro Stunde. 

Im Aufbau befindet sich eine 16 cbm große Anlage für Druck- und Explosionsprüfungen. Zurzeit sind Tests für die künftig aus Öko-Gründen erforderlichen Gasmotoren für den Schiffbau angesagt.

Dafür hat Rembe das in den 90er Jahren entwickelte Q-Rohr für die flammenlose Druckentlastung spezifiziert. Es funktioniert im Grunde „wie ein Teesieb“, sagt Explosions-Profi Bunse nüchtern: „Da geht auch keine Flamme durch.“

Quelle: https://www.wp.de/staedte/altkreis-brilon/in-thuelen-gehen-profis-bei-explosions-tests-an-ihre-grenzen-id210705915.html

 
 
 
 

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